2015 Lesekreis: Louis Althusser et. al. – „Das Kapital lesen“

Der französische Philosoph Louis Althusser (1918-1990) war einer der einflussreichsten marxistischen Denker des Westens. Waren viele seiner Werke bisher auf Deutsch nur in Teilen oder schlecht übersetzt verfügbar, änderte sich durch die Althusser Gesamtausgabe dieser Umstand seit 2010 schlagartig. Darum wollen wir uns dieses Semester mit dem 1965 in einem Seminar an der „École Normale Supérieure“ hervorgegangenen Buch „Das Kapital lesen“ (2015, Westfälisches Dampfboot) beschäftigen.

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Nach der „Entstalinisierung“ durch den 20. Parteitags der KPdSU, die auch die kommunistischen Parteien des Westens nicht unberührt ließ, versuchten Althusser und seine Schüler diese neuen Freiheiten radikal für sich zu nutzen. Sie wollten sich das Werk von Marx und die darin enthaltenen philosophischen Grundlagen neu aneignen und abseits des Mainstreams der „Parti communiste français“ (PCF), die wissenschaftliche Grundlage des Marxismus reevaluieren und überprüfen. Hieraus gingen die mittlerweile zum Standard der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Marx gehörige Theoreme wie den „epistemologischen Bruch“, „symptomale Lektüre“ oder die Differenz von „Erkenntnis-„ und „Realobjekt“ hervor. Aber auch abseits der an Marx angelehnten Philosophie findet sich bei Althusser der Flirt mit psychoanalytischen Kategorien von Jacques Lacan und lässt somit eine breite Diskussion über Stärken und Schwächen dieser Lektürebewegung zu.
Daran anschließend ließe sich auch die Diskussion über die Fetischismusproblematik bei Marx an dem Text von Jacques Rancière und seiner Untersuchung über den „Begriff der Kritik“ führen, die als Vorbote zum Bruch der beiden Theoretiker gelesen werden kann.
Nicht nur scheint eine Beschäftigung mit Althussers striktem „Anti-Hegelianismus“ anhand des „langen Schattens der Frankfurter Schule“ (Kallscheuer) in den deutschen Marx-Diskursen sinnvoll, sondern auch die Überprüfung der gelieferten Argumente gegen Marxens eigene, um so zur Selbstverständigung über Kategorien der „Kritik der politischen Ökonomie“ und ihrer philosophischen Voraussetzungen zu gelangen.

Mit diesen und vielen weiteren Fragen der Lektüre wollen wir uns in einem noch-zu-vereinbarenden Modus Operandi beschäftigen. Grundsätzlich sind Kenntnisse über die „Kritik der politischen Ökonomie“ nicht vorausgesetzt, aber erwünscht. Es geht uns um eine möglichst breite und offene Diskussion des Stoffes, die natürlich am besten mit Menschen verschiedener, theoretischer „Herkünfte“ funktioniert.
Wir werden mit der 2015er Ausgabe von „Das Kapital lesen“ im Westfälischen Dampfboot Verlag arbeiten, können aber auch Arrangements treffen, bei der der Besitz des Buches keine Voraussetzung ist.
Das Vorgehen und die Auswahl der zu lesenden Texte wollen wir in der ersten Einheit vereinbaren.

 

mehr Infos: terrainwechsel[at]gmail.com
Wann: 23.03.2015, 19 Uhr
Wo: Theoriebüro. Pfeilgasse 33, 1080 Wien