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2012/13 Lesekreis: Robert Kurz' „Geld ohne Wert“

KurzLesekreis

Robert Kurz legt mit seinem posthum erschienen Werk „Geld ohne Wert“ programmatische „Grundrisse zu einer Transformation der Kritik der Politischen Ökonomie“ vor, die in vieler Hinsicht von Interesse sind. Einerseits für all jene, die sich einer fetischkritischen Marxlektüre im weiteren und der wertabspaltungskritischen Theoriebildung im engeren Sinne verpflichtet fühlen. Ihnen wird eine Aufarbeitung zahlreicher theoretischer Desiderate geboten, die im Kontext der breitenwirksameren Publizistik Kurz‘ bzw. von kürzeren, themenspezifischen Artikeln nicht möglich war. Zentrale Diskussionspunkte sind etwa das Verhältnis zur neuen Marxlektüre, die Substanzproblematik im Kontext der Krisentheorie, der „realabstrakte“ Charakter des Geldes und die ihn umgebenden Mystifkationen und nicht zuletzt auch die Neukartierung des Verhältnisses von „logischer“ und „historischer“ Lesart des Kapitals vor dem Hintergrund der wertabspaltungskritischen Theoriebildung. Doch auch all jene, die nicht unmittelbar mit der wertabspaltungskritischen Tradition sympathisieren, finden in „Geld ohne Wert“ zahlreiche innovative Verhandlungen bekannter und umstrittener Topoi der Kritik der Politischen Ökonomie, wie etwa dem Problem der „Produktion des relativen Mehrwerts“, des „tendenziellen Falls der Profitrate“, der Relevanz einer Geldware für das Funktionieren des Kapitalismus und dem Status der Marxschen Krisentheorie. Zu guter Letzt wird eine streitbare, aber in vieler Hinsicht Stoff für Diskussionen bietende, geschichtsphilosophische These über den Status und die Genese „vormoderner Fetischverhältnisse“ und der Rolle des Geldes in ihnen (weiter-)entwickelt. Auch wenn jene Passagen wohl teils unabhängig von der Kritik der Politischen Ökonomie (des Kapitalismus) gelesen werden können, wird sich an vielen Stellen die struktive Bedeutung der Untersuchung vormoderner Sachverhalte für das Verständnis des herrschenden Systems erweisen und in dieser spezifischen Art der nicht mehr rein „ökonomisch“ fassbare Gehalt ökonomiekritischer Überlegungen im Kontext einer breiteren Gesellschaftskritik erschlossen werden.

Diese und viele weitere Punkte sollen im Lesekreis intensiv an Hand des Textmaterials diskutiert werden. Das Format zielt auf ein bereits versiertes Publikum ab, dem die Grundbegriffe der Kritik der Politischen Ökonomie nicht neu sind. Methodisch wird (abgesehen von der Lektüre der jeweils ausgemachten Textabschnitte) ein modus operandi angestrebt, bei dem jeweils einE TeilnehmerIn den für die Einheit gelesenen Teil umfassender aufbereitet und im Falle einer stockenden oder themenfremden Diskussionsentwicklung leitenden eingreift. Unabhängig von der Frequenz (einwöchig, zweiwöchig), die noch zu vereinbaren ist, sollten alle Beteiligten ein möglichst klares Commitment zur Teilnahme an den Tage legen, da eine kontinuierliche Bearbeitung gerade angesichts der anspruchsvollen Materie besonders geboten erscheint.

Wann?      jeden zweiten Montag, 1900h. Erster Termin am 8.10. 2012 (next: 22.10.)

Wo?           Theoriebüro. Pfeilgasse 33, 1080 Wien (Durchgang „Schenke“)

Kurz, Robert (1999) "Schwarzbuch Kapitalismus"

„Der Lebensstandard breiter Bevölkerungsgruppen sinkt, die Arbeitslosigkeit nimmt zu, der Ausweg in die Dienstleistungsgesellschaft erweist sich als Illusion. Die Marktwirtschaft wird mit ihren Produktivitätssprüngen – Automation und Globalisierung – nicht mehr fertig.

Robert Kurz seziert die Marktwirtschaft, zeichnet die drei industriellen Revolutionen nach und belegt, wie der Kapitalismus aus weitverzweigten Wurzeln und vielen Quellen im Laufe der Geschichte Varianten seiner inneren Widersprüchlichkeit hervorgetrieben hat: Liberalismus und Sozialdemokratie, den Staatsozialismus als Form nachholender Modernisierung, aber auch immer wieder Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus.

Es zeigt sich, dass die bisherigen Gegenentwürfe das Wesen der kapitalistischen Geldmaschine ungangetastet ließen und selber nur Trendsetter jener permanenten ‚Modernisierung‘ waren, die sich zunehmend als antisozialistischer Drohbegriff entpuppt. Aber ausgerechnet in demselben Maße, wie er von allen Parteien zum alternativlosen Schicksal der Menschheit erklärt wird, treibt der Kapitalismus heute auf eine ausweglose Situation zu.“ (Quelle: s.u.)

20.01.-22.01.2011 – Veranstaltung: Krise und Krisentheorie

Veranstaltungshinweis

Vortragsreihe: Krise und Krisentheorie

 

VORTRAGSMITSCHNITTE

Vortrag von Robert Kurz als MP3
Robert-Kurz_Kapitalismus-in-der-Krise.Geschichte-und-aktuelle-Verlaufsformen.mp3

Vortrag von Roswitha Scholz als MP3
Roswitha-Scholz_Krise-und-Geschlecht.Zum-Abstraktionsverbot-im-Feminismus.mp3

Vortrag von Claus Peter Ortlieb als MP3
Claus-Peter-Ortlieb_Systemische-Ursachen-der-aktuellen Krise.mp3
Folien zum Vortrag

 


20.1.2011
Kapitalismus in der Krise. Geschichte und aktuelle Verlaufsformen
(Robert Kurz)

Krise und Geschlecht. Zum Abstraktionsverbot im Feminismus
(Roswitha Scholz)

Robert Kurz wird in seinem Vortrag die Verlaufsform der aktuellen Krise nachzeichnen und auf die historische Entwicklung und Zuspitzung der dem Kapitalismus eigenen Krisenhaftigkeit eingehen. Anhand von Beispielen wird die tatsächliche Dimension der Krise verdeutlicht und im Kontext eines konsistenten theoretischen Erklärungszusammenhangs begründet, der wegführt von bloßen „Krisenphänomenen“ und systemische Ursachen in denVordergrund stellt.

Im Vortrag von Roswitha Scholz geht es um theoretische Auseinandersetzung die im weiteren Zusammenhang der Krise zu verorten ist. Feministische Theorien werden auf einer grundlegenden Ebene hinsichtlich ihrer epistemologischen und inhaltlich Aussagekraft befragt. Dabei wird ein wesentliches Defizit vieler feministischer Ansätze ausgemacht, das sich gerade auch in der (ungenügenden) Erklärungsfähigkeit der Krise zeigt, nämlich das Verbot der gesellschaftstheoretischen Abstraktion.

TU Wien Freihaus
Hörsaal 6, 2. Stock, grüner Bereich, Wiedner Hauptstr. 8, 1040 Wien
Beginn: 17:30h


 

21.1.2011
Systemische Ursachen der aktuellen Krise (Claus Peter Ortlieb)

Claus Peter Ortlieb beschäftigt sich – anschließend an die Ausführungen von Robert Kurz – mit allgemeineren Erklärungsmodellen der Krise. In dieser Hinsicht interessieren weniger die empirischen (Einzel-)Ereignisse, es geht um eine Theorie des „idealen Durchschnitts“ der Krise des Kapitalismus. Im Rekurs auf die Kritik der Politischen Ökonomie und durch die Entmystifizierung volkswirtschaftlicher Tatbestände wird ein fundiertes Bild einer komplexen und über die aktuellen Verlaufsformen hinausgehenden Krisentheorie gezeichnet.

Österreichische Akademie der Wissenschaften, Theatersaal
Sonnenfelsgasse 19, 1.Stock, 1010 Wien
Beginn: 18:00h

 

22.1.2011
Workshop „Krise, Krisentheorie und Praxis“ (mit allen ReferentInnen)

Nachdem die bisherigen Veranstaltungen eher als frontale Vorträge konzipiert waren, soll am Samstag die Möglichkeit geboten werden, Aspekte der Krise und Krisentheorie in einer gemütlicheren und offenen Atmosphäre gemeinsam zu diskutieren. Neben thematischen Inputs und der Vertiefung des Vortragsstoffes können dabei auch konkretere Fragen an die ReferentInnen gestellt werden, etwa hinsichtlich der Möglichkeiten und Einschränkungen emanzipatorischer Praxis in und zur Krise.

Schenke
Pfeilgasse 33, 1080 Wien
Beginn: 15:00h

 

Zu den Vortragenden

Robert Kurz (Jg. ´43) ist gesellschaftskritischer Publizist und Theoretiker in Nürnberg. Bekannt wurde er durch das auflagenstarke „Schwarzbuch Kapitalismus“, sowie zahlreiche Publikationen zu ökonomischen Krisen. Er geht dabei von einer „inneren Schranke“ kapitalistischer Entwicklung aus und weist diese akribisch und leicht verständlich an Hand aktueller Entwicklungen nach.
2011 erscheinen zwei neue Bücher zur Krise (Tote Arbeit. Die Substanz des Kapitals und die Krisentheorie von Karl Marx, Weltmacht und Weltkrise. Die Grenzen des Kapitalismus).

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Schwarzbuch Kapitalismus. Ein Abgesang auf die Marktwirtschaft, 1999.
  • Das Weltkapital. Globalisierung und innere Schranken des modernen warenproduzierenden Systems, 2005.
  • Weltmacht und Weltkrise. Die Grenzen des Kapitalismus, 2011.

 

Roswitha Scholz (Jg. ´59) ist gesellschafts- und geschlechterkritische Publizistin und Buchautorin in Nürnberg. Ihr einflussreichster Beitrag zur gesellschaftskritischen Debatte ist die „Wert-Abspaltungstheorie“. In diesem Ansatz verbindet sie ökonomische und feministische Überlegungen  – sowohl theoretisch-abstrakt als auch an Hand konkreter Widersprüche und Beispiele.

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Das Geschlecht des Kapitalismus. Feministische Theorie und die postmoderne Metamorphose des Patriarchats, 2000.
  • Differenzen der Krise – Krise der Differenzen. Die neue Gesellschaftskritik im globalen Zeitalter und der Zusammenhang von „Rasse“, Klasse, Geschlecht und postmoderner Individualisierung, 2005.
  • Maria breit den Mantel aus. Produktion und Reproduktion in der Krise des Kapitalismus, in Phase 2, Nr. 36, 2010.

 

Claus Peter Ortlieb (Jg. ´47) ist Professor am Fachbereich Mathematik der Universität Hamburg und Redakteur der Zeitschrift EXIT! Krise und Kritik der Warengesellschaft. Bekannt ist Ortlieb vor allem durch seine kritische Auseinandersetzung mit mathematischer Modellbildung in den Volkswirtschaften (siehe z.B. sein Interview „Ökonomie ist eigentlich keine Wissenschaft.“ in der FAZ, http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/FASInterview.html ).

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Markt-Märchen. Zur Kritik der neoklassischen akademischen Volkswirtschaftslehre und ihres Gebrauchs mathematischer Modelle, 2004.
  • Ökonomie ist eigentlich keine Wissenschaft. Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, 2010.
  • Die verlorenen Unschuld der Produktivität, 2010.

 

Zahlreiche Texte der Vortragenden gibts es auf http://exit-online.org/

 

Hier gibts den Veranstaltungs-Flyer zum Download

 

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